Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) hat jedes Kind das Recht auf optimale körperliche, geistige, seelische und soziale Erziehung. Es zeigt sich aber, dass die Umwelt, in der Kinder heute aufwachsen, kaum mehr Spielraum für selbstständiges Handeln zulässt.
2.2.1 Wohnverhältnisse und Straßenverkehr
Viele Wohngebiete sind ohne Rücksicht auf die Spiel- und Bewegungsbedürfnisse der Kinder errichtet worden. Dies gilt auch für den ländlichen Raum, wo durch das Ansteigen von Wohn-dichte, den verstärkten Ausbau der Verkehrsnetze sowie den Schutz für land- und forstwirt-schaftlich genutzte Flächen viele Spielräume verloren gegangen sind (vgl. 'Spielen - Erpro-bungsmaßnahme des Landes Nordrhein-Westfalen', Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, Dez. 1989, S.8 ff.). Hinzu kommen die oft beengten Wohnverhält-nisse, die den kindlichen Bewegungsdrang sehr einschränken. Kleine Kinderzimmer, Be-schwerden über Lärmbelästigung von Nachbarn, lassen ein Austoben der Kinder nicht zu. Neben der Problematik von unzureichender Wohnqualität, verliert die Straße als Lebensraum immer mehr an Bedeutung. Auch heute ist der wichtigste Spielplatz der Platz vor der Haustür.
Die hohe Zahl der Kraftfahrzeuge lässt einen steigenden Bedarf an Straßen, Einstellflächen, Parkplätzen und Garagen aufkommen. Die Konsequenz daraus ist, dass vorhandene Freiflä-chen verplant und Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt werden. Hinzu kommt die sich daraus ergebende Gefährdung für Kinder durch den Straßenverkehr. Durch den Verlust der Straße als Lebensraum gehen den Kindern wichtige soziale Erfahrungen verloren.
2.2.1 Kind in der Familie
Die Familie hat gerade in den ersten Lebensjahren entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Kindes und bis zum Jugendalter Bedeutung für den Werdegang des Heranwachsenden.
Neben dem Problem, dass viele Kinder heute mit alleinerziehenden Elternteilen oder in "Patchwork"-Familien leben, ist auch die Tatsche, dass Kinder als Einzelkinder aufwachsen, für die Bedeutung des Spieles nicht unerheblich. Kinder sind heute oft auf sich selbst ange-wiesen. Geschwister, aber auch andere Kinder, mit denen man sich streiten, versöhnen, gemeinsam spielen kann, sind zumeist in unmittelbarer Nähe nicht greifbar. Kinder brauchen aber Kinder, sie brauchen Kontakte zu anderen. Schon 1968 führte Mitscherlich dazu aus: "Man kann es auch ohne das alles aufwachsen lassen, mit Teppichen, Stofftieren oder auf asphaltierten Straßen und Höfen. Es überlebt es, doch soll man sich nicht wundern, wenn es später bestimmte soziale Grundleistungen nie mehr erlernt" (vgl. 'Die Unwirklichkeit unserer Städte', Mitscherlich, Augument-Verlag Berlin, Dez. 1968, S.129).
2.2.3 Kinder und Medien
Die Auswirkungen der Medien auf die Entwicklung von Kindern sind abhängig vom Umgang mit diesen. Der Fernsehkonsum zum Beispiel steigt bei Kindern mit zunehmendem Alter stetig an. Kinder im Alter von 3 - 7 Jahren verbringen an Werktagen durchschnittlich 1 Stunde, Kinder unter 3 Jahren durchschnittlich 17 Minuten vor dem Fernseher, wobei festzustellen ist, dass der höchste Fernsehkonsum am Wochenende zu verzeichnen ist (vgl. 'Bewegungser-ziehung im Kindergarten', Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, Nov. 1991, S.18). Kinder erfahren Lebenszusammenhänge oft aus zweiter Hand, d.h. das Fernsehen vermittelt ihnen, wie aus der Raupe ein Schmetterling wird.
Aber auch der Umgang mit neuen Medien wie Computer(-spielen) oder Internet nimmt erheb-lichen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Durch den intensiven Umgang mit Compu-tern entsteht schon im jungen Alter ein zunehmender Bewegungsmangel, der z.B. zu Fettlei-bigkeit führen kann. Die übermässige Nutzung von Computerspielen wiederum kann zu Reali-tätsverzerrungen und einem mangelnden Einfühlungsvermögen für die Umwelt führen. Nach dem heutigen Forschungsstand bestehen keine begründeten Zweifel daran, dass der Kontakt mit derartigen Medien vor allem bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, aber auch bei Erwachsenen, die Gefahr einer Nachahmung und einer Abstumpfung in sich birgt, die sich schädlich auf die Gemeinschaft auswirken kann. (Bayerischer Gesetzesantragsentwurf zum JuSchGVerbG, Januar 2007).
Um Dinge zu erlernen und ihnen auf den Grund gehen zu können, müssen Kinder ihre Erfah-rung aus der eigenen Anschauung machen, damit sie sich zurechtfinden und auf ihre Umwelt Einfluss nehmen können.
Die hier aufgeführten Beispiele zum Lebensalltag von Kindern sind nur beispielhaft, kurz angerissen und skizziert worden. Sie zeigen aber auf, dass es heute besonders wichtig ist, Kindern Freiräume für selbstständige Betätigung zur Verfügung zu stellen. Dabei muss be-dacht werden, dass bei der Planung von Spiel- und Erfahrungsräumen es sich immer nur um den Ersatz für fehlende natürliche Spielflächen handelt. "Die Planung und Gestaltung von Spielplätzen muss deshalb darauf ausgerichtet sein, diese "künstlichen" Spiel- und Erfah-rungsräume möglichst den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder anzupassen. Die Spielplätze müssen so gestaltet werden, dass sie die grundlegenden Bedürfnisse von Kindern aller Al-tersgruppen ansprechen" (vgl. 'Spielen - Erprobungsmaßnahme des Landes NRW', Ministeri-um für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, Dez. 1989, S.14).
Bevor die Grundsätze der Spielplatzplanung vorgestellt werden, soll noch auf die Nutzung brachliegender Grundstücke als Spielflächen aufmerksam gemacht werden.
Solche Grundstücke, für die noch keine bestimmte Nutzung vorgesehen ist, stellen ein relativ großes Reservoir an "Spielflächen" dar. Die oft verwilderten Gelände üben einen großen Reiz auf Kinder aus. Diese Grundstücke müssen den Kindern zugänglich gemacht werden (vgl. 'Spielen - Erprobungsmaßnahme des Landes NRW', Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, Dez. 1989, S.37 ff.).
Eine frühzeitige Beteiligung des Jugendamtes muss daher schon bei der Festlegung vorge-haltener Spielflächen im Bebauungsplan stattfinden. Somit kann nicht nur bei der Spielplatz-ge-staltung entscheidend mitgewirkt werden, sondern auch bei der Lage hinsichtlich angren-zendem Brachland.
2.3 Pädagogische Grundsätze zur Spielplatzplanung
Die Grundsätze für die Spielplatzplanung, die im folgenden dargestellt werden, sind aus der Broschüre 'Spielen - Erprobungsmaßnahme des Landes NRW', Ministerium für Arbeit, Ge-sundheit und Soziales des Landes NRW, Dez. 1989, S.14 ff. entnommen. Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass die auf diese Quelle basierenden Aussagen zur Spielplatzpädago-gik nach wie vor ihre Gültigkeit haben. Eine aktuelle Fassung zur Thematik liegt seitens des Landes NRW nicht vor.
Eine Spielplatzplanung soll sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientie-ren:
a) Bewegungsbedürfnisse:
Laufen, Springen, Balancieren, Klettern sind besonders in den ersten Lebensjahren wichtig. Die vielfältigen Erfahrungen sind für die motorische Entwicklung wichtig und schaffen auch Grundlagen für kognitives Lernen.
b) Bedürfnisse nach sinnlicher Wahrnehmung:
Spielplätze, die Kinder anregen zu sehen, zu hören, zu riechen und zu schmecken, sind ge-eignet, die Sinne aktiv zu gebrauchen. Spielplätze, die Naturerfahrungen durch Bäume, Sträu-cher, Hecken und andere Pflanzen bieten, werden diesem Anspruch gerecht.
c) Bedürfnisse nach Kreativität:
Kinder wollen bauen, formen, zuordnen. Sie benötigen Materialien, mit denen sie selbststän-dig schöpferisch tätig sein können. Materialien wie Sand, Wasser, Lehm, Äste und Pflanzen kommen diesem Bedürfnis entgegen.
d) Bedürfnisse nach Erprobung/Abenteuer:
Gerade Schulkinder und Jugendliche wollen ihre Kräfte und ihren Mut erproben, um ihre eigenen Fähigkeiten, aber auch ihre Grenzen zu spüren. Wenn diesem Bedürfnis nicht ent-sprochen wird, ist die Gefahr groß, dass Kinder und Jugendliche sich Ersatzerlebnisse z.B. durch den Konsum von Computerspielen, Gewaltfilmen, Gewalttaten, Vandalismus o.ä. schaf-fen.
e) Soziale Bedürfnisse:
Kinder und Jugendliche wollen allein oder zu zweit spielen, suchen die Gruppe und entwickeln im gemeinsamen Spiel soziales Verhalten. Ein Spielplatz sollte daher Ecken und Nischen vorweisen, wo sie die Möglichkeit haben, allein oder zu zweit spielen zu können, und größere Freiflächen aufweisen, auf denen Gruppenspiele möglich sind.
Die hier genannten Bedürfnisse sollen in die Planung und Gestaltung von Spielplätzen einflie-ßen, wobei die Lage und die Wohngebietsstruktur in die Überlegungen einbezogen werden müssen. Wichtig ist auch, dass jeder Spielplatz einen eigenen unverwechselbaren Charakter hat. Dies können im Einzelnen sein:
• Gliederung
• Modellierung
• Spielmöglichkeiten für Kinder verschiedener Altersstufen
• Spielmöglichkeiten für unterschiedliche Witterungen
• Mehrere Funktionen und mehrere Schwierigkeitsgrade
• Vielfältige Materialien
• Erfahrungen mit Naturelementen